„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“
Der kleine Prinz
Wenn wir einen Hund in unser Leben holen, bedeutet das, dass wir Verantwortung übernehmen müssen.
Wir sind dafür verantwortlich den Hund zu ernähren, medizinisch versorgen zu lassen, ihn zu verstehen, zu bewegen und zu beschäftigen.
Aber wir sind auch dafür verantwortlich, für seine Sicherheit zu sorgen.
Es ist unsere Aufgabe, darauf zu achten, dass der Hund sich sicher fühlt, wenn wir ihn an der Leine haben, in Situationen bringen, die er sich selbst nicht ausgesucht hat und ihm Begegnungen zumuten, die er selbst lieber vermieden hätte.
Dieses Schutzbedürfnis der Hunde wird, meiner Beobachtung nach, oft nicht gesehen oder vernachlässigt. Leider geht es teilweise sogar soweit, dass wir (nehme mich da nicht aus), den Hunden übel nehmen, wenn sie sich selbst um ihre Sicherheit kümmern.
Ein paar konkrete Beispiele, um aufzuzeigen, was ich meine:
1. Dein Hund ist an der Leine und ein kontaktfreudiger Hund kommt ihm zu Nahe. Dein Hund weicht aus, fühlt sich unwohl, kann aber nicht fliehen, weil er an der Leine ist. Irgendwann knurrt er und schnappt und wird dann dafür ermahnt.
2. Du nimmst deinen Hund mit in ein Café, er war noch nicht oft in so einer Situation und legt sich eingeschüchtert unter den Tisch. Eine Hundeliebende Person erblickt deinen Hund, bückt sich freundlich zu ihm runter und spricht ihn an. Dein Hund möchte gerade aber lieber „unsichtbar sein“ und selbst beobachten, statt im Mittelpunkt zu stehen und ist überfordert.
Du freust dich aber, weil die Person so nett ist und so freundlich auf deinen Hund zugeht und übersiehst, dass dein Hund sich gerade sehr unwohl fühlt. Du animierst deinen Hund nun, auf die Person zuzugehen und sich streicheln zu lassen.
3. Dein Hund muss geimpft werden und du gehst zum Tierarzt. Das Wartezimmer ist voll, du musst lange warten. Deinen Hund macht das sehr nervös. Dann seid ihr endlich dran und der Tierarzt wirkt gestresst, weil die Praxis so voll ist und die Zeit drängt. Schnell wird dein Hund auf den Tisch befördert, kurz abgehört und dann zieht er die Spritze auf. Eine Helferin hält deinen Hund, aber der windet sich wie ein Aal und bekommt immer mehr Panik. Eine zweite Helferin wird hinzugezogen, um deinen Hund halten zu können. Sie packen ihn sich zu zweit. Dein Hund gebärdet sich, als ginge es um sein Leben. Minutenlang. Dann gelingt es dem Tierarzt, die Impfung zu verabreichen. Dein Hund darf vom Tisch und ist vollkommen fertig.
Ich hoffe, diese 3 Beispiele sind anschaulich und kommen dir bekannt vor.
Alles ist Alltag und passiert häufig.
Unsere Welt ist für Hunde nicht immer leicht zu verstehen. Umso wichtiger ist es, sich zu bemühen, die Welt der Hunde zu verstehen und immer mehr Hundeverstand zu entwickeln.
Nun möchte ich Lösungen für die 3 Beispiele aufzeigen und erklären, wie man seinen Hund unterstützen könnte.
Zu 1.: Du könntest dich vor deinen Hund stellen und ihn hinter dich nehmen und den anderen Hund wegschicken mit einer Handbewegung und „Ab“.
Dem Besitzer könntest du erklären, dass dein Hund unsicher ist und Zeit braucht und bitten, seinen Hund zu sich zu nehmen und dann abzuwarten, ob dein Hund mit ihm in Kontakt treten möchte oder nicht. Oder ein paar Meter gemeinsam angeleint laufen, bis dein Hund entspannter wird.
Zu 2.: Ohne schlechtes Gewissen und Scham der Person erklären, dass der Hund sich gerade unwohl fühlt, weil er noch nicht oft im Café war und sie bitten, sich nicht zu ihm zu beugen. Dann kann man der Person ein bißchen was über den Hund erzählen und die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Der Hund kann sich dadurch wieder entspannen und lernen, dass er sicher ist.
Zu 3.: Du kannst einen Tierarztbesuch jederzeit abbrechen, sofern es sich nicht um eine akute Verletzung oder Erkrankung handelt. Ob dein Hund heute, morgen oder nächste Woche geimpft wird, ist vollkommen egal.
Wenn dein Hund nicht gut drauf ist oder der Tierarzt gestresst wirkt, vertagt es.
Oder lass jemand anderen vor, laufe mit deinem Hund ne Runde um den Block und komm später nochmal in die Praxis. Oft ist der Neustart dann entspannter und erfolgreicher.
Das Problem bei „traumatischen Tierarztbesuchen“ ist nämlich, dass dein Hund unnötig eine sehr schlechte Erfahrung macht, die ihn vielleicht zukünftig so nachhaltig ängstigt, dass du ihm im Alter kaum noch Behandlungen oder Diagnostik zumuten möchtest, weil Tierarztbesuche ihn so stressen, dass du Angst hast, dass er kollabiert.
Es kann natürlich mal unangenehm sein beim Tierarzt, aber es muss nicht unangenehmer sein als nötig, vor allem nicht bei Impfungen etc.
Fällt es dir leicht, die Grenzen deines Hundes zu kommunizieren? Oder hast du teilweise ein schlechtes Gewissen, andere Leute vor den Kopf zu stoßen? Bist du mit deinen Gedanken bei den Befindlichkeiten deines Hundes oder bei den Befindlichkeiten anderer Leute?
Hiermit möchte ich zum Nachdenken anregen. Es soll kein Vorwurf sein. Es ist nicht schwarz-weiß, Hunde dürfen sich natürlich auch mal unwohl fühlen und für seinen Hund einzustehen, bedeutet nicht, zum Menschenhasser zu werden und seinen Hund auf einen Thron zu heben.
Nur habt keine Hemmungen für eure Hunde Partei zu ergreifen, sie haben nur euch. Was andere Leute sagen ist nicht so wichtig wie das, was dein Hund in dir sieht, finde ich. :)


