In meiner Arbeit als Hundeverhaltensberaterin und Hundetrainerin bemerke ich täglich, dass diese Phase viele Menschen vor große Herausforderungen stellt. Was mit dem Welpen noch so einfach schien, klappt plötzlich überhaupt nicht mehr. Die jungen Hunde werden wilder, willensstärker, impulsiver und selbstständiger.

Sie scheinen sich beim Spaziergang überhaupt nicht mehr für ihre Menschen zu interessieren, ziehen an der Leine, eskalieren bei Begegnungen, hören nicht mehr auf den Rückruf und sind extrem schnell frustriert. Oft erkennt man seinen eigenen Hund kaum wieder und fühlt sich verständlicherweise überfordert und hilflos.

Wie ausgeprägt Hunde „pubertieren“, ist dabei völlig unterschiedlich. Manchen Hunden merkt man die hormonelle Umstellung kaum an, andere wissen nicht mal mehr, wie sie heißen, und benehmen sich phasenweise wie unbändige Wildtiere.

Schon mal zur Beruhigung: Das ist eine Phase, nicht das Endresultat!

Diese Zeit geht vorbei. Nach und nach kehrt wieder Vernunft in den Hund ein, und er wird entspannter und berechenbarer. Nichtsdestotrotz muss man die Pubertät gemeinsam überstehen und dafür sorgen, dass der Frust auf beiden Seiten nicht zu groß wird.

Wir Menschen haben Wünsche und Bedürfnisse, die sich nicht immer mit denen der Hunde decken: Die Hunde wünschen sich Freiheit, die Menschen wünschen sich Kontrolle. Wenn diese Welten aufeinanderprallen, braucht es oft einen fachkundigen Schulterblick von außen, der Wege aufzeigt, die für beide Parteien gangbar sind.
Oft hilft bereits eine Einzelstunde, um den richtigen Weg zu finden und sich und dem Hund das Leben in dieser schwierigen Zeit deutlich leichter zu machen.

Besonders zwei Aspekte sind in der Jugendentwicklung entscheidend:

  • Sinnvolle Auslastung: Körperliche und geistige Aufgaben sind jetzt extrem wichtig. Ohne sie stecken die Hunde ihre überschüssige Energie unweigerlich in unerwünschte Verhaltensweisen
  • Geführte Sozialkontakte & Begegnungstraining: Hunde-Teenager brauchen das Recht, „Party zu machen“ und Kumpels zu treffen. Wenn das nicht, zu wenig oder mit den falschen Hunden stattfindet, ist das leider oft der erste unbemerkte Schritt in Richtung Leinenaggression. Man erzieht sich einen Leinenpöbler heran, ohne es zu wollen. Ein bewusster Umgang mit dem Kontaktwunsch junger Hunde und begleitendes Begegnungstraining sind daher unerlässlich.

Dieser Text soll dich nicht entmutigen, sondern Ansätze und Erklärungen für das Verhalten deines Junghundes liefern. Die Pubertät ist kein Grund zum Verzweifeln, sondern ein wunderbarer Anlass, die Beziehung zu deinem Hund mit ganz viel Verständnis auf ein neues Niveau zu heben.
Wir unterstützen euch dabei, einen klaren und sicheren Rahmen zu schaffen, damit ihr an dieser Herausforderung gemeinsam wachsen könnt.